Pressemeldung Nr. 42 vom

Medikamentenversuche GRÜNE fordern unbürokratische Opferentschädigung

Darum geht’s

Heute wurden dem Sozialausschuss des Landtages die Ergebnisse einer Studie zu Medikamentenversuchen an Kindern in der Nachkriegszeit vorgestellt.

Das sagen die Grünen:

Anja Piel, sozialpolitische Sprecherin

„Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein bedrückendes Bild von jahrzehntelangem Unrecht an wehrlosen Kindern und Jugendlichen. Die erlittenen Qualen und das daraus entstandene Leid sind durch nichts wieder gut zu machen. Umso wichtiger ist es, Täter, Mitwisser und beteiligte Pharmaunternehmen zu identifizieren und nach Möglichkeit noch zur Verantwortung zu ziehen. Darüber hinaus müssen die Opfer jetzt unbürokratisch und zügig entschädigt werden. Man kann und darf von Betroffenen, die solches Unrecht als Kleinkinder und Kinder erlebt haben, nicht erwarten, dass sie selbst Beweise erbringen. Sinnvoller und sachdienlicher wäre es, die Beweislast umzukehren. Denn nicht alles Unrecht wurde lückenlos dokumentiert, und an nicht jede leidvolle und traumatisierende Erfahrung werden sich die Opfer lückenlos erinnern können. Die Sozialministerin  muss  darum unabhängig von weiteren Studien schnell einen Vorschlag machen, wie die niedersächsischen Opfer entschädigt werden können. Wir haben bereits bei der Landesregierung nachgefragt, welche Möglichkeiten es nach jetzigem Stand gibt. Die Antworten auf unsere Fragen werden wir genau auswerten und prüfen, ob eine weitere parlamentarische Befassung notwendig ist. Gegebenenfalls müssen wir zudem über eine Erweiterung des Entschädigungs-Fonds für die Betroffenen nachdenken.“

Hintergrund

Wie aus einer Studie im Auftrag des Sozialministeriums hervorgeht, sind Heimkinder in Niedersachsen in der Nach­kriegs­­zeit für Medikamentenversuche benutzt worden. Zwischen 1945 und 1978 wurden in den kinderpsychiatrischen Abteilungen des Krankenhauses Wunstorf und der Universität Göttingen, aber auch in Kinderheimen in Rotheburg und Rehburg-Loccum Medizintest mit Psychopharmaka und Impfversuche durchgeführt. In vielen Fällen handelte es sich um noch nicht zugelassene Arzneimittel, die die Kinder auch erhielten, obwohl kein positiver Nutzen für sie zu erwarten war. Die Studie legt zudem den Verdacht nahe, dass das Sozialministerium  von den Versuchen Kenntnis hatte.   

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