Die Person Anja Piel

Von der grünen Wiese zum Fraktionsvorsitz

Ich wurde 1965 als zweites von vier Kindern in Lübeck geboren. Als eines der politisierendsten Erlebnisse in meiner Jugend ist mir ein Schulausflug zum AKW Würgassen in Erinnerung geblieben. Ich war 15 und hatte mich im Vorhinein mit den Störfällen in diesem Kraftwerk auseinandergesetzt. Die waren natürlich kein Thema bei der Führung. Ich unternahm also den Versuch, die Informationen, die ich hatte, anzusprechen. Das bittere Ergebnis: Ich durfte draußen warten, bis meine Klasse die Führung beendet hatte. Damals auf der grünen Wiese reifte in mir der Wunsch, mich politisch für eine andere Art von Energiepolitik einzusetzen.

Politische Vita

Nach dem Abitur 1985 erlernte ich den Beruf Industriekauffrau. Nach dem Umzug nach Niedersachsen half ich zwischen 1991 und 1995 beim Aufbau des Mütterzentrums in Hameln und war dort von 1995 bis 1997 angestellt. Hier traf ich auf die Grünen, die mich insbesondere mit ihren frauen- und familienpolitischen Schwerpunkten ansprachen. Zwischen 1997 und 2007 war ich außerdem als freie Mitarbeiterin bei der Deister- und Weserzeitung tätig.

Den Grünen beigetreten bin ich 1998. Im selben Jahr begann ich, als Geschäftsführerin der Grünen Hamelner Ratsfraktion zu arbeiten, wo ich bis 2012 tätig war. Bei den Grünen war ich als Kreisvorsitzende regelmäßig Delegierte auf Landesdelegierten- und Bundesdelegiertenkonferenzen und seit 2005 Mitglied im niedersächsischen Parteirat. 2008 wurde ich zur stellvertretenden Ortsbürgermeisterin in Fischbeck gewählt und ein Jahr später erneut zur Vorsitzenden des Kreisverbandes Hameln-Pyrmont.

Auf Landesebene ging es bereits 2007 weiter. Ich wurde stellvertretende Landesvorsitzende der Grünen und 2010 schließlich Landesvorsitzende. Bis 2013 hatte ich dieses Amt neben Jan Haude inne.

Als Parteivorsitzende war es mein großes Ziel, grünen Themen mehr Gewicht zu geben, aber ich wollte auch, dass die Grünen nach 20 Jahren wieder raus aus der Opposition kommen. Darum warf ich meinen Hut in den Ring und wurde als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2013 gewählt. Gemeinsam mit einer Partei, die wie wir den Wechsel wollte, fuhren Stefan Wenzel und ich das beste Ergebnis ein, das die Grünen bis dahin in Niedersachsen erzielt hatten: 13,7 %. Und mehr als das: Wir schafften es, Schwarz-Gelb abzulösen und nach 20 Jahren wieder eine rot-grüne Koalition zu bilden!

Es folgten Koalitionsverhandlungen und schließlich die Wahl der neuen Landesregierung. Ich übernahm das Amt der Fraktionsvorsitzenden. In einer Koalition mit nur einer Stimme Mehrheit ist das ein ganz großartiges aber auch kein leichtes Amt. 20 Abgeordnete haben 20 eigene Köpfe. Jede und jeder muss berücksichtigt und eingebunden werden. Das macht Spaß, aber es ist auch schwierig. Vor allem: es klappt.

Ehrenamt und Persöhnliches

Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Windhunde und lebe in Fischbeck. Ich bin Mitglied im NABU, im Förderkreis des Stifts Fischbeck.